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Netzwanze - Gitterwanze - Tingidae - Foto
Netzwanzen
Die Netzwanzen (Tingidae), engl.: lace bugs, werden auch Gitterwanzen genannt, und bilden in der Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera), der Unterordnung Heteroptera, der Nebenordnung Cimicomorpha und der Überfamilie Cimicoidea (Syn.: Tingoidea) eine Familie. Zu dieser Familie gehören die Unterfamilien Cantacaderinae, Tinginae und Vianaidinae. Netzwanzen sind global mit etwa 2000 Arten weit und häufig verbreitet. Während in Europa ungefähr 190 Arten vorkommen, sind in Mitteleuropa (Deutschland, Österreich) 75 Arten bekannt. Letztere gehören ausschließlich der Unterfamilie Tinginae an.
Beispiele für Netzwanzen-Arten sind: Rhododendron-Netzwanze (Stephanitis rhododendri), Andromeda-Netzwanze (Stephanitis takeyai), Birnblattwanze (Stephanitis pyri), Mandel-Netzwanze (Monosteira unicostata), Platanen-Netzwanze (Corythucha ciliata), Dictyonota strichnocera, Acalypta parvula, Dictyonota fuliginosa, Kalama tricornis, Derephysia foliacea, Tingis ampliata, Tingis cardui, Physatocheila dumetorum, Dictyla convergens, Agramma laetum, Corythucha cydoniae, Leptodictya tabida, Pseudacysta perseae, Stephanitis pyrioides und Teleonemia scrupulosa. Während die meisten Netzwanzen-Arten 1 oder 2 neue Generationen pro Jahr hervorbringen, kommen manche Arten noch auf weitere Generationen.
Erwachsene Netzwanzen erreichen Körperlängen von 2 bis 10 mm. Ihre länglichen Körper sind oval oder flach gebaut. Am Kopf sind die Punktaugen (Ocelli) zurückgebildet. Der Halsschild (Pronotum) ist gekielt und weist eine netzartige Oberflächenzeichnung auf. Sein Seitenrand ist bei vielen Arten verbreitert und umgefaltet, während an seinem Vorderrand oftmals kapuzenartige Ausbildungen (Halsblasen) zu finden sind. Die Halsblasen können so groß sein, daß der Kopf unter ihnen verborgen ist. Bei manchen (höher entwickelten) Arten ist der Hinterrand des Pronotums zu einem Fortsatz verlängert. Hierbei kann es vorkommen, dass der Fortsatz das Schildchen (Scutellum) überlagert.
Die Deckflügel (Hemielytren) haben ebenfalls eine netzartig strukturierte Oberfläche. Diese Gitterstruktur, der die Tingidae ihren deutschen und englischen Namen verdanken, ist neben dem Bauweise der Fühler und der Körperform das wesentliche Merkmal zur Bestimmung und Unterscheidung der einzelnen Arten. Hierbei spielt die Anzahl der Leisten und Maschen des Gitters eine wesentliche Rolle. Die Flügelmembranen sind unter dem Gitternetz nur schwer auszumachen. Es gibt Arten, die aufgrund ihrer Flügelkonstruktion gute Flugeigenschaften besitzen, während andere Arten nicht fliegen können, weil ihre Flügel zu kurz sind. Die Netzwanzen und ihre Larven scheiden über ihre Körperoberfläche Wachspartikel aus, wodurch diese leicht bestäubt wirken. Aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes können Netzwanzen mit Meldenwanzen (Piesmidae) verwechselt werden.
Netzwanzen ernähren sich rein pflanzlich. Hierbei sind sie (je nach Art) an einzelne Pflanzenarten (monophag) oder an verschiedene Pflanzen einer Familie (oligophag) gebunden. Dieser Umstand schlägt sich vielfach in den Namen der einzelnen Arten nieder (Rhododendron-Netzwanze, Platanen-Netzwanze, Birnblattwanze usw.). Die Netzwanzen sitzen an den Blüten und Blattunterseiten ihrer Wirtspflanzen. Die wenig bewegungsaktiven Tiere halten sich meistens zwischen Pflanzenhaaren, Stacheln oder in tieferen Spalten versteckt, neigen bei Störungen jedoch kaum zur Flucht. Netzwanzen ernähren sich von Pflanzensäften, die sie mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen aus der Epidermis-Schicht der Blattunterseiten aufnehmen. Sind die Blattzellen leergesaugt, verfärbt sich die Schadensstelle bronzefarben oder silbrig. Jedes Individuum verbringt seinen gesamten Lebenszyklus an ein und derselben Pflanze, wenn nicht sogar am selben Pflanzenteil.
Netzwanzen sind als Pflanzenschädlinge in Mitteleuropa vernachlässigbar, während sie in den Tropen aufgrund ihres massenhaften Auftretens oft erhebliche Schäden im landwirtschaftlichen Kulturbau anrichten.
Einige Netzwanzen-Arten überwintern als erwachsene Tiere. Nach der Paarung legen die befruchteten Weibchen ihre Eier mit Hilfe ihres Legestachels (Ovipositor) fast ausschließlich an der Unterseite von Blättern der Nahrungspflanzen ihrer Larven (Nymphen) ab. Die Eier einiger Arten überwintern dort. Die geschlüpften Larven tragen (je nach Art) mehr oder minder lange Dornen. Die typische Netzstruktur der Körperoberseite fehlt ihnen noch. Im 1. Larvenstadium tragen sie noch keine Flügel, diese bilden sich erst ab dem 2. und 3. Stadium, und sind erst am Ende des letzten Stadiums voll entwickelt. Bei den meisten Arten erstreckt sich die Entwicklung der Nymphen über 5 Larvenstadien, bei einzelnen Arten können es auch nur 4 sein. Die Metamorphose der Netzwanzen-Larven ist unvollständig, da diese kein Puppenstadium durchlaufen und der Übergang von der Nymphe zur erwachsenen Netzwanze mit der letzten Häutung zusammenfällt. Die Nymphen mancher Netzwanzen-Arten überwintern an den Nahrungspflanzen.
Weiterführende Kapitel von "Netzwanzen"
- Andromeda-Netzwanze
Beschreibung der Bilder / Fotos
1. Netzwanze - Gitterwanze - Tingidae
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